Heyka Glißmann

                               Schreiberin mit Herz & Gefühlsfotografin

Schreiberin mit Herz

Durch Träumen - Beobachten - Zuhören - Leben - Lachen - Weinen und noch soviel mehr, entstehen neue
Geschichten, Welten, Persönlichkeiten - das ist immer wieder neu, faszinierend und wunderbar.
Vier meiner Kurzgeschichten habe ich hier als pdf´s (bitte klicken Sie
auf den Titel) für Sie zusammengestellt.

Sie heißen:
"Spiegeltränen" ein besonderer Moment vor dem Spiegel und ein liebevoller Blick auf sich selbst.
"Mittendrin" - über Zufälle, Freundschaften, Schicksalsschläge und Lieblingslieder.
"Den Himmel im Blick" - der Moment, wenn es nach dunklen Zeiten im Leben wieder hell wird.
"Postkartenidylle" - Mütter und Töchter - eine ganz besondere Beziehung.

Und wer weiter lesen mag, der findet hier noch einige Texte mitten aus dem Leben:

21.09.2017

Der Ring

Der Ring
 
Die Geschichte fängt schon im Dezember 2010 an. Ich habe damals eine Goldschmiedin kennengelernt, die in ihrem Angebot „Seelenringe“ hatte. Bei solchen Dingen lacht mein Herz und ich wollte gerne einen haben. Es sind schlichte, massive Silberringe, die mit drei persönlichen Worten graviert werden. Worte, die einem viel bedeuten, die man mag, die man mit sich in Verbindung bringt, die einem aus der Seele sprechen. Nachdem er fertig war habe ich diesen Ring jeden Tag getragen. Mit der Zeit hat er ein paar Schrammen bekommen und die matte Oberfläche wurde langsam glänzend. Überall wo ich war, war er dabei. Immer wieder habe ich mir die Worte angesehen, den Ring gedreht und mich an ihm gefreut.
 
Drei Jahre später, im Herbst, war ich mit einer Bekannten und unseren Hunden an einem See. Es muss einer der letzten Badetage für die Hunde gewesen sein. Für uns war es schon zu kalt und so sind wir am Ufer geblieben. Wir haben geklönt und Bälle geschmissen, die Hunde haben gespielt und dann passierte es: ich schmiss einen Ball, sah ihm und meiner Hündin hinterher und wunderte mich über das was da noch durch die Luft flog… Es war mein Ring, der mir beim Wurf vom Finger gerutscht war und der nun zusammen mit dem Ball im See versank.
 
Nach einer Schrecksekunde sind wir schnell aus unseren Hosen und Schuhen raus und auf Zehenspitzen in den kalten See. Er ist an einer Stelle gelandet an der uns das Wasser bis zum Bachnabel ging und unsere Hoffnung war groß den Ring zu finden. Außerdem soll kaltes Wasser ja gut für die Durchblutung, gegen Krampfadern und Cellulite sein. Sehr zur Verwunderung unser Hunde standen nun also wir im Wasser und trippelten mit den Füßen tastend den sandigen Untergrund des Sees ab.
 
Aber er blieb verschwunden. Irgendwann haben wir mit eiskalten Beinen die Suche aufgegeben. Nun war ich also ohne meinen Seelenring.
 
Immer wenn ich danach an dem See war habe ich natürlich daran gedacht. Als es langsam wieder wärmer wurde bin ich ins Wasser und habe weitergesucht, aber es war kein Ring zu finden. Und mein Finger fühlte sich immer noch nackt an.
 
Dann, an einem Abend, klingelte es an meiner  Haustür. Ich telefonierte gerade, öffnete und freute mich über den spontanen Besuch meiner Bekannten Wir hatten uns lange nicht gesehen. Ihre Hände hatte sie hinter dem Rücken verschränkt und forderte mich auf  eine Hand auszuwählen. Ich war verwundert und irritiert und  entschied mich dann für die rechte.
 
Langsam nahm sie den Arm nach vorne, öffnete ihre Hand und darin lag er - mein Ring! Gut acht Monate nachdem ich ihn verloren hatte war er wieder da! Er war nicht mehr silbern sondern schwarz angelaufen – aber unverkennbar, mein Ring. Meine Freude war riesig - ich hätte heulen können und hab das an dem Abend auch noch getan.
 
Vorher war sie mit ihrem Mann und Hund am See. Sie haben gebadet, gespielt und das Leben genossen. Es war noch eine Familie mit zwei Kindern da, die den Sommer genossen. Plötzlich tauchte der Mann auf und rief fröhlich in die Runde, dass er gerade einen Ehering gefunden hätte. Worauf hin sie sofort rief, dass sie wissen würde wem er gehört. Erst wollte ihr der Finder natürlich kein Wort glauben, aber nachdem sie ihn beschrieben hatte, hat er  ihn ihr gegeben.
 
Und kurz darauf stand sie bei mir vor der Tür – mit meinem Ring!
 
Was für eine tolle Überraschung – was für wunderbare „Zufälle“ - was für ein schöner Moment.
Ich habe ihn damals nicht poliert. Das Dunkle ist langsam wieder glänzend geworden und ich habe noch heute jeden Morgen ein dickes Grinsen im Gesicht, wenn ich ihn aufstecke und er mich wieder durch mein Leben begleitet.
 
Nur beim Hundebaden, da bleibt er seitdem in der Hosentasche.
Die eingravierten Worte sind übrigens: Lieben – Fühlen – Sehen – Sein

Heyka - 10:18 @ Alltagswunderbarkeiten | Kommentar hinzufügen