Heyka Glißmann

                               Schreiberin mit Herz & Gefühlsfotografin

Schreiberin mit Herz

Durch Träumen - Beobachten - Zuhören - Leben - Lachen - Weinen und noch soviel mehr, entstehen neue
Geschichten, Welten, Persönlichkeiten - das ist immer wieder neu, faszinierend und wunderbar.
Vier meiner Kurzgeschichten habe ich hier als pdf´s (bitte klicken Sie
auf den Titel) für Sie zusammengestellt.

Sie heißen:
"Spiegeltränen" ein besonderer Moment vor dem Spiegel und ein liebevoller Blick auf sich selbst.
"Mittendrin" - über Zufälle, Freundschaften, Schicksalsschläge und Lieblingslieder.
"Den Himmel im Blick" - der Moment, wenn es nach dunklen Zeiten im Leben wieder hell wird.
"Postkartenidylle" - Mütter und Töchter - eine ganz besondere Beziehung.

Und wer weiter lesen mag, der findet hier noch einige Texte mitten aus dem Leben:

21.09.2017

Ein Stück Kindheit

Ein Stück Kindheit
 
Ein Stück Kindheit hat mich eingeholt. Es hat mich völlig unerwartet im Turboschleuderrückwärtsgang abgeholt und mitten aus dem Alltag gerissen. Plötzlich war ich wieder ein kleines Mädchen und saß bei meinen Großeltern in der Küche am Tisch.
 
Was mich dahin gebracht hat? Eine Nähmaschine und das Vorhaben ein Kissen zu nähen.  Ich habe den schweren Koffer auf meinen Küchentisch gestellt, Schnitt und Stoff lagen schon bereit. Es konnte also losgehen. Der graue Koffer der Nähmaschine ist ein bisschen eingedellt, alt und abgeschrammt vom häufigen Gebrauch. Ich ließ die Schnappschlösser aufspringen, der Deckel klappte nach vorne weg und da stand sie: die Nähmaschine meiner Großmutter. Und plötzlich roch alles nach „Oma“. In meiner Küche verströmte sich ihr Geruch, ergoss sich aus dem Koffer als wäre er dort viele Jahre konserviert und aufbewahrt worden, genau für diesen Moment.
 
Alles war wieder da.  Der Küchentisch am Fenster mit Blick in den kleinen Garten, in dem der große Kirschbaum stand und unter dem wir unseren ersten Kanarienvogel „Exi“ feierlich beerdigt haben. An dem Tisch haben wir zu Weihnachten Kekse gebacken und Hexenhäuschen gebastelt. Dort hat mein Opa seinen Getreidekaffee getrunken und meine Oma ihr Brötchen mit körnigem Frischkäse und einem Kleks Marmelade gegessen. Der Tisch an dem ich saß, als ich auf einen Zettel mit krakeliger Kinderschrift schrieb „am liebsten würde ich nach Hause gehen, nicht mal Sesamstraße darf man sehen“. Was ich damals ausgefressen hatte, habe ich leider vergessen.
 
Es war auch ein Platz an dem mein Bruder und ich um unseren Vater geweint haben. An dem wir die Trauerkarten geschrieben haben, als mein Opa gestorben war und es war ein Platz an dem wir Marmelade eingekocht, Erbsen gepahlt und Bohne geputzt haben. Die wir vorher im Kleingarten meiner Großeltern geerntet hatten.
 
Wir haben dort gemalt und gehäkelt, Hausaufgaben gemacht, gelacht und miteinander gesprochen. Es war ein Platz für das ganz normale Leben in all seinen Facetten.
 
Den Tisch gibt es schon lange nicht mehr und in der Wohnung, in der meine Großeltern fast ihr ganzes Leben lang gewohnt haben, wohnt nun jemand anderes. Aber die Erinnerungen sind offenbar ganz tief abgespeichert und sofort abrufbar, manchmal nur, indem man einen Nähmaschinenkoffer öffnet und sich plötzlich bei Oma in der Küche wiederfindet.

Heyka - 10:19 @ Alltagswunderbarkeiten | Kommentar hinzufügen